Wündsdorf: Fast jeder von uns hat den Namen dieses Ortes schon einmal gehört. Einige wissen sogar, dass es sich dabei um einen Ortsteil der amtsfreien Stadt Zossen im Landkreis Teltow-Fläming handelt. Allerdings dürften die Bezeichnungen „Bunkerstadt“, „Bücherstadt“ oder sogar „Verbotene Stadt“ in diesem Zusammenhang wesentlich geläufiger sein. Alle diese Namen lassen aber vermuten, dass es hierbei um etwas sehr Geheimnisvolles geht und nicht etwa um ganz Profanes, so wie es bei Orten wie Klein-Posemuckel oder Hintertupfingen der Fall sein mag.
Natürlich, wer aus der Gegend hier kommt, weiß schon, dass es in Wünsdorf alte Bunker gibt, die zu DDR-Zeiten von den „Russen“ genutzt wurden und man deshalb dort nicht hin durfte. Das ist heute anders! Aber ehrlich, wer war wirklich schon einmal dort, um sich selbst ein Bild von der Geschichte dieses Ortes zu machen?











Am Sonntag, den 31.05.2026 machten sich deshalb 13 Sportfreunde im Rahmen des „Sportkalenders“ der SG Saarmund auf den Weg nach Wünsdorf, um genau das nachzuholen. Ja, zugegeben: Mit dem Fahrrad wäre es eine sportliche Herausforderung geworden, aber aus Zeitgründen bevorzugten wir dieses eine Mal das Auto.
Um 11.00 Uhr begann nämlich schon die gebuchte Führung durch die Bunkersiedlung „Maybach 1“ und die Bunkeranlage „Zeppelin“. Hinter diesen unverfänglich klingenden Namen verbergen sich zwölf oberirdisch als „Atelierhäuser“ getarnte Tiefbunker, aus denen die Stäbe der höchsten Kommandobehörde des deutschen Heeres im 2. Weltkrieg die Angriffe auf die europäischen Nachbarländer befehligten. Der Bunker Zeppelin fungierte dabei als gigantische Nachrichtenzentrale mit dem Tarnnamen „Amt 500“. Da die Maybach-Bunker auf Beschluss der Siegermächte unmittelbar nach ihrer Einnahme durch die Rote Armee gesprengt wurden, künden heute nur noch gewaltige, aus den Waldboden ragende Stahlbeton-Trümmer mahnend von den Resten eines vermeintlich „tausendjährigen“ Imperiums.
Der Bunker Zeppelin mit einer Tiefe von 18 m unter Geländeoberkante füllte sich nach wohl erfolglosen Sprengversuchen bis zu 14 m unter Gelände mit Grundwasser und wurde infolge der politischen Ereignisse erst 1953 von der „Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland“, die das Militärgelände in Wünsdorf zur Führungsstelle ihres Oberkommandos auserkoren hatte, reaktiviert, saniert und teilweise erweitert. Er diente nun als auch gegen atomare Angriffe geschützte Nachrichtenzentrale und stand in fester Verbindung mit der Hauptnachrichtenzentrale des Ministeriums für Nationale Verteidigung der DDR.
Warum das ganze Areal fortan zur sogenannten „verbotenen Stadt“ wurde, kann man sich vorstellen. Das alles und noch viel mehr kann man hier erfahren und sich dann seine eigene Meinung darüber bilden. Mancher erkennt bei der Betrachtung der auch in ihren Resten noch recht imposanten Bunkeranlagen die technische Ingenieurleistung an, andere sehen darin eine gigantische Ressourcen-Verschwendung, wieder andere eher gruselige Zeugen einer Zeit, die man nicht wieder haben will. Letzteres, so glaube ich, sollte man wohl dick unterstreichen.
Als gewisses Pendant zu der fast 100 Jahre zurückreichenden Wünsdorfer Militärgeschichte haben sich hier nun drei Antiquariate angesiedelt, die dem Ort den sehr friedfertigen Beinamen „Bücherstadt“ eintrugen. Gut so! Leider blieb uns an diesem Tag keine Zeit, uns hier näher umzuschauen.
Aber: Was ist mit „Tzatziki“? Nun, das gab’s in der nahe beim Bunker gelegenen „Akropolis“, einem Restaurant für original griechische Spezialitäten, wo wir Plätze reserviert hatten. Wer bis dahin von den Ereignissen des Tages völlig unbeeindruckt geblieben war, hatte spätestens hier angesichts der schieren Größe der servierten Portionen seinen persönlichen AHA-Effekt! Das weiter oben bereits verwendete Wort „Ressourcen-Verschwendung“ wäre zwar ganz sicher unangemessen, aber „Völlerei“ wäre durchaus zutreffend.
Darauf einen Ouso!
Hartmut Rabenalt, SG Saarmund