Skudden, Hanf und Weideschweine – SG Saarmund im mittelalterlichen Düppel

Dass unser Dorf eine Geschichte hat, die bis ins 12.Jahrhundert, also bis ins Hochmittelalter zurück reicht, wissen wir, weil wir ja im Jahre 2016 den 800. Jahrestag der ersten  urkundlichen Erwähnung Saarmunds als Grenzort zwischen der „deutschen Zauche und dem slawischen Teltow“  begingen.

Dies war die Blütezeit des Rittertums, des Minnesangs und des Baus massiver Steinburgen. Sie war aber auch geprägt von Wachstum und Handel, der Entstehung neuer Städte und dem Aufschwung der Märkte. So deuten archäologische Funde in den 1960er Jahren auf eine erste Besiedelung dieser Grenzregion in einer mit Palisaden gesicherten  Raststation zwischen Saarmund und Spandau bereits um 1170 hin.

Das war etwa die Hälfte der Strecke zwischen den beiden Orten, die man mit einem  Ochsengespann an einem Tag zurücklegen konnte. Im Schutz der Palisade konnten die Fuhrleute in Sicherheit und bei einer Tränke für die Tiere die Nacht verbringen.

Genau hier, am heutigen Landschaftsschutzgebiet Krummes Fenn in Berlin-Nikolassee befindet sich das 1975 als Freilichtmuseum gegründete Museumsdorf Düppel, das zur Stiftung Stadtmuseum Berlin gehört.

13 Sportfreunde versuchten am Sonntag, den 26. Juli im Rahmen des „Sportkalenders“ der SG Saarmund unter Durchquerung des Düppeler Forstes, diesen Ort zu erreichen. Nicht mit dem Ochsenkarren, sondern etwas zeitgemäßer mit dem Fahrrad. Dazu trafen wir uns um 9.00 Uhr „Am Markt“, um unter der bewährten Führung unseres Sportfreunds Horst G. die gut 20 km lange Strecke nach Zehlendorf in Angriff zu nehmen.

Da wir bereits kurz vor 11.00 Uhr das Museumsgelände erreicht hatten, waren wir zumindest wesentlich schneller unterwegs als ein mittelalterliches Ochsengespann. Aber wir mussten uns unterwegs ja auch nicht mit Raubrittern oder wildem Getier herumschlagen, wenn man mal den Eichenprozessionsspinner außer Acht lasst. Bevor wir allerdings daran gehen konnten, unseren Wissensdurst im recht authentisch nachgebildetem Lebensraum unserer Vorfahren zu stillen, gelüstete es einigen von uns zunächst danach, sich den  angebotenen Verlockungen an Speisen und Getränken hinzugeben.

Und –  was erwartet den Besucher dort sonst so? Ich muss es einfach mal sagen: Mehr als ich erwartet hatte! Man denkt ja immer gleich an Touristen-Nepp und Kinderschminken, aber weit gefehlt. Hier wird anhand belegter historischer Funde und konkreter Forschungen das tägliche Leben einfacher Siedler dieser Zeit in seinen technischen und handwerklichen Details eindrucksvoll nachgestellt und vorgeführt. Die Palette reicht von hier vor Ort rückgezüchteten alten Schafrassen, den Skudden und den sogenannten Weideschweinen, welche doch sehr unseren heutigen Wildschweinen ähneln, über die Herstellung von Hanfseilen, Töpferwaren, der Holz- und Metallbearbeitung bis hin zu mittelalterlichem Spielzeug und natürlich dem Bau von Behausungen für Mensch und Tier.

Erste Erkenntnis: Dies alles mit den damaligen technischen Hilfsmitteln herzustellen und zu bauen, setzt ein umfangreiches Wissen voraus und muss sowohl im mittelalterlichen Original, als auch beim heutigen „Nachbau“ durch meist ehrenamtliche „Hobbyarchäologen“ elend lange gedauert haben.

Zweite Erkenntnis beim Blick in eine reetgedeckte Hütte mit offener Feuerstelle: Wir müssen einen gewissen Fortschritt bezüglich Komfort und Hygiene im heutigen sozialen Wohnungsbau durchaus anerkennen.

Letzte Erkenntnis: Ein Besuch dieses lebendigen Zeugnisses der Geschichte lohnt sich ganz sicher, egal wie alt man ist.

Für den Rückweg hatte Horst dann als besonderes Highlight die Fahrt über den Südwestkirchhof der Berliner Stadtsynode in Stahnsdorf vorgesehen. Da dieser Friedhof immerhin eine Fläche von ca. 206 ha einnimmt, kann man sich dort schon ‘mal verfahren, oder Horst…? Leider ließ uns aufziehendes Gewölk nicht viel Zeit für weitere Erkundungen und tatsächlich blieb es uns nicht erspart, doch noch die Regensachen hervorzukramen. Sofern man die dabei hatte. Da es in letzter Zeit aber viel zu selten regnet, nahmen wir den Schauer gelassen hin und beim Überqueren der Nuthe erstrahlte die Sonne schon wieder über dem Saarmunder Berg.

Hartmut Rabenalt

SG Saarmund